Kann der Einsatz von Antibiotika durch homöopathische Mittel reduziert werden? Die bayerische Staatsregierung will wissenschaftlich untersuchen lassen, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann.

Also. Mal ganz Sachlich: WAS ZUM TEUFEL HAT DIESE IDIOTEN GERITTEN‽

Vor 233 Jahren hat Samuel Hanemann die Homöopathie erfunden. Eine erfundene Wirktheorie mit der Idee, dass Wasser - also ganz normales H₂O, dass diesen Planeten seit Jahrmillionen bedeckt und das Leben als Solches ermöglicht hat - dass dieses Wasser ein Gedächtnis hat. Und dass eine Substanz, von der einem natürlicherweise Übel wird, gegen Übelkeit wirkt. Aber nur, wenn diese Substanz so stark verdünnt wird, dass in dem Wasser absolut keine einziges Molekül der Substanz mehr enthalten sein kann, dann wirkt das Wasser aufgrund der Erinnerung an die Wirkung plötzlich gegen die Übelkeit.

Vor 119 Jahren hat Alexander Flemming entdeckt, dass das Myzel eines bestimmten Schimmelpilzes ein Gift absondert, dass bakterien tötet. Das erste Antibiotikum: Penecillin. Er hat dafür sogar den Medizin-Nobelpreis bekommen. Denn die jetzt von der CSU geforderte Studie ist bereits gelaufen:

116 Jahre wurde Sepsis in Bayern mit Hoffnung und Beten behandelt. Dann 119 Jahre lang mit Penicillin. Man kann diese fast gleich langen Zeiträume gut vergleichen. Vorher war die Sepsis 100% tödlich, mit Antibiotika überleben 99,99%. Das Problem mit den verbleibenden 0,01 % ist, dass es inzwischen Bakterien gibt, welche gegen Antibiotika resistent sind. Nicht gegen Penecillin, sondern gegen fast alle Medikamente. Sie sind Multiresistent.

Und jetzt kommt die CSU daher und hat auch noch Rückenwind von den Grünen, und beantragt, dass 400.000 € Steuergelder dafür ausgegeben werden sollen, um medizinisch zu evaluieren, ob informiertes Wasser nicht doch besser gegen Sepsis wirkt als neue Antibiotika.

Knapp eine halbe Million Euro. Wofür? Um klinisch zu testen, ob reines Wasser gegen Krankheiten hilft? Von den Christen, die mit Geschichten über Wunder und Gottes Beistand aufwachsen, ist solche eine irrationale Naivität ja auch irgendwie nachvollziehbar, aber: die Grünen - gerade in den Zeiten, wo es darum geht den Klimawandel aufzuhalten. Wo die Grünen mit wissenschaftlicher Rückendeckung die Proteste der #FridaysForFuture Generation unterstützen wollen, entblöden sie sich nicht an Esoterischen Aberglauben festzuhalten.


Ich meine. Hätte es just nach der Abstimmung eine Stellungnahme der Grünen gegeben, im Sinne von:

Liebe Freunde,

wir haben heute dem Antrag der CSU zugestimmt, und den Streit einfürallemal zu beenden. Selbstverständlich stehen die Grünen für eine aufgeklärte und wissenschaftlich fundierte Politik. Wir sind davon überzeugt, dass Homöopatie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Nichts anderes ist bei einer unter schärfster öffentlicher Beobachtung stehenden Studie als Ergebnis zu erwarten. Die CSU wird in ihrem Weltbild erschüttert sein, aber wir werden den Streit zwischen Wissenschaft und Aberglauben mit dieser Studie beilegen.

Es mag die Eine oder den Anderen irritieren, dass wir für diesen unsinnigen Antrag gestimmt haben. Die Entscheidung ist uns auch nicht leicht gefallen, und die 3 Enthaltungen zeigen auch, dass das Thema auch in unserer Partei kontrovers diskutiert wird. Nichts desto trotz sind wir als Partei davon überzeugt, dass nur wissenschaftlich fundiertes Handeln uns als Menschheit weiter bringt. Wir haben diesen Antrag aus eben diesem Grund unterstüzt. Er will eine seit 230 Jahren unbelegte Wirktheorie falsifizieren.  

Herzlichst
Eure
Annalena Baerbock & Robert Habeck